Dschungel, Strand und Schildkröten

mein Aufenthalt in Indonesien / Malaysia

 
29Juli
2014

Abschied mit Höhepunkten

Sooo, ich bin zwar wieder seit über einer Woche zurück, aber das regelgemäße Update der allerletzten Wochen darf ja nicht ausbleiben. Also setze ich mich jetzt hin und verfasse das mal. Und vor allem möchte ich euch noch die schönen Fotos zeigen, die ich (und andere von mir) geschossen habe(n).


Auf Nestersuche

Lange hatte ich geklagt, dass ich dieses Jahr noch kein Green Turtle-Nest auf der Bootspatrouille gefunden habe (am Morgen nach dem letzten Blogeintrag, wo ich mich beschwerte, fanden wir übrigens ein Hawksbill-Nest )
Das Finden eines Nestes war ja eher von Glück und Zufall abhängig, denn wir Verantwortlichen wechselten uns mit der Bootspatrouille immer ab. So kam ich alle vier bis fünf Tage an die Reihe. Ich äußerte aber den Wunsch, an meinen letzten drei Tagen jeden Morgen auf Bootspatrouille zu gehen, und ab da hatte ich mächtig Glück 
Am ersten Morgen sahen wir an Munjor - dem Green-Turtle Strand - tatsächlich ein paar Spuren. Mir war gar nicht bewusst gewesen, das wir eine Schildkröte erwarteten! Also ließ ich die zwei Freiwilligen, die mitgekommen waren, das Nest einsammeln und war ganz gut drauf 

Penut - dort gabs die Hawksbill-Nester Munjor - Blick auf das wilde Tiomanyeyyyyy, turtle tracks! Freiwillige beim Eiersammeln 

Am Morgen darauf waren die Strände unberührt - Normalzustand eben. Und am dritten Tag - es war mein letzter Morgen in Juara und somit allerhöchste Zeit - hatte ich endlich mal so richtig Glück. Wir näherten uns Munjor und sahen Spuren, doch ich sah auch etwas anderes am Strand, das kein Felsen war. Als wir das Boot an einer Boje befestigt hatten, war dieses Etwas plötzlich ein paar Meter weiter links am Strand. Aber irgendwie konnte ich Eins und Eins noch nicht zusammen zählen. Es war Ebbe und vor dem Strand lag ein Felsenmeer mit einzelnen Korallen und Schluchten. Wir sprangen also ins Wasser und kletterten bei recht starkem Wellengang über die Felsenlandschaft - das war mal wieder abenteuerlich, und ich fühlte mich wie bei den haarsträubenden Aktionen der früheren Jahre, wo alles im Projekt noch um ein vielfaches unsicherer und aufregender gewesen war als heutzutage. Unser einheimischer Eierfinder stand da bereits am Strand und glotzte ich eine Richtung. "Was ist denn da? Wieso steht er dort, und sucht die Eier nicht?" Und dann sah ich, wie die vom Nest abgehenden Spuren nicht ins Wasser hinausführten, sondern weiter am Strand entlang - und am Ende kroch eine Mama-Schildkröte. Yippieeehhhhh! Endlich mal seh ich diese Viecher auch bei Tageslicht  Wir standen erstmal ganz weit weg von ihr, während sie noch weiter von uns weg kroch, und unser Eierfinder machte seine Arbeit. 
Wisst ihr übrigens, woran man ganz einfach erkennt, dass die Schildkröte Eier gelegt hat? Denn manchmal wüten sie ja im Sand herum und überlegen es sich am Ende doch ganz anders - das kann dann unter Umständen fast wie ein Nest aussehen. Doch ein einfacher Blick auf die Spuren genügt: 

uptrack 
das ist die hinaufführende Spur - in der Mitte ist eine breite Furche vom schweren Bauch und in der Furche noch eine dünne Rille vom schleifenden Schwanz

downtrack
das ist die hinabführende Spur - in der Mitte ist keine Furche mehr, nur noch ein paar "Löcher" vom ab und zu den Sand berührenden Schwanz - die Mama-Schildkröte ist um einiges leichter und die Eier sind daher gelegt.

Es fiel uns dann unglaublich schwer, die Eier einzusammeln, während irgendwo hinter unserem Rücken die Schildkröte entlangkroch. Also ließen wir kurzerhand unseren Eierfinder bei den Eiern zurück (der wird ja auch gut bezahlt, der kann ruhig mal ein bisschen schuften ) und wir beobachteten die Mama. Die war mittlerweile schon inmitten des Felsenmeers, wo sie dann meistens vor Erschöpfung stecken bleiben und auf die Flut warten. Ich wusste, dass meine Vorgänger die Mamas immer gemessen hatten, denn normalerweise bekommen wir ja keinerlei Daten von den Schildkröten hier, da wir sie ja sonst nie antreffen. Also stellten wir uns hinter sie, und nach einigem Zögern - auch weil sie mich ganz klar bemerkte und sichtbar nervös war - vermaß ich sie einfach. Am Ende erschreckten wir sie leider noch ganz schön, da ein Freiwilliger in ihren Blickwinkel trat, und sie wedelte panisch mit den Flossen und schrabbte ihren Bauch über die Felsen und floh davon - wir gingen dann ganz schnell zurück und ließen sie in Ruhe. Na ja - manchmal kann man sich selbst als Schildkrötenschützer vor lauter Aufregung nicht zurückhalten und begeht kleine Fehler 

naaaa, findet ihr sie??? wohin des Weges? yeah, ich in Höchstleistung =D Kelsey, Schildkröte und ich da gehts raus... ...und da wieder rein

Freizeit 

Ich war ja schon recht weit mit meiner Recherche, und als das Ende meines Aufenthalts immer näher rückte, wurde mir mehr und mehr bewusst wie wenig ich dieses Jahr meine Umgebung wahrgenommen hatte - gut, am Strand war ich fast jeden Tag gewesen, und wenn es nur für eine halbe Stunde war, aber es gibt ja auch mehr zu tun in Juara als am Strand zu liegen, und am Projektleben hatte ich auch nicht so intensiv teilgenommen wie sonst. Also machte ich das jetzt. Wir fuhren mit den Kayaks raus - einmal zu einer neu zu erforschenden Schnorchelbucht mit vielen harmlosen Mini-Quallen und einigen Überraschungen, und ansonsten in der Bucht und in den beiden Flüssen, die an den jeweils gegenüberliegenden Enden der Bucht ins Meer münden. Den Mentawak-Fluss, der recht nah am Projekt liegt, entdeckte ich dieses Jahr übrigens ganz neu - immer hieß es, der sei eh nicht so gut, also lohne es sich nicht, da mit dem Kayak reinzufahren. Und dann tat ich es doch und entdeckte eine fantastische Welt voller Tiere, Geräusche, grünem Dickicht und scheinbarer Abgeschiedenheit. Ich fühlte mich wie in einem Nebenarm des Amazonas! Notiz an mich selbst: Nie auf andere hören und immer alles selbst entdecken.

Riverview-Fluss Mentawak-Fluss 1 Mentawak-Fluss 2 zu dritt auf dem Moped - ganz auf malaysische Art Hängebrücke ins Nirgendwo 

Einen gelungenen früh morgendlichen Schnorchelausflug hatten wir auch noch - wo sich die ganze Unterwasserpracht Juaras inklusive einer jugendlichen Hawksbill-Schildkröte zeigte. Ein paar Tage vorher war das Meer noch ziemlich unruhig gewesen - und als wir nicht schnorcheln konnten entschieden wir uns dazu in den Wellen rumzuschwimmen - das taten wir dann so lange, bis ich zurück zu unseren am Strand hinterlegten Klamotten blickte, die aufgrund der hereinkommenden Flut soeben vom Wasser verschluckt wurden - nun ja, meine Lieblingsose habe ich nie wieder gefunden  Immerhin posierten die Wellen zusammen mit meinen geliebten Strandfelsen für tolle Fotos.

ohhhhhh SchattenspieleStrand-Panorama Meer-Panorama Farbspiele an der Hatchery

 
Babiiiiieeeees

Ein paar wenige Nester sind auch noch geschlüpft, und endlich auch die ersten Green Turtle Nester! Das erste mitten in der Nacht, und das zweite dann am späten Nachmittag bei perfektem Licht zum Fotografieren. Haha  Ich hatte das aus dem Sand herauslugende Köpfchen entdeckt und alle Freiwilligen in die Hatchery geholt. Ab da kann es noch länger als eine Stunde dauern, bis das ganze Nest schlüpft. Doch bereits nach zehn Minuten kam ein aufgeweckter Kleiner an die Oberfläche und kroch ungeduldig als Erster aus dem Sand - das weckte dann die anderen auf und das Nest schlüpfte. Zur Freilassung hatten wir dann wieder ein paar Touristen aus dem Nachbar-Hotel dabei. 
Übrigens ist mir aufgefallen, auch beim Durchstöbern meiner Fotos aus vorherigen Jahren, dass das Posieren mit Babies noch nie so populär war. Ein Grund dafür ist wahrscheinlich, dass es unter Schildkrötenschützern ja eigentlich verwerflich erscheint, die Kleinen so viel zu betatschen und für Fotoshootings zu missbrauchen (wobei es jetzt wohl keinen gravierenden Schaden anrichtet, glaub ich zumindest) - aber dieses Jahr war es total im Trend, und ich hab da natürlich auch mitgezogen  

1 2  Bauch-Ansicht Panzer-Ansicht Seiten-Ansicht husch husch Stars auf dem sandfarbenen Teppich Heimkehr der Schaulustigen

Tja, und ich glaube das war's.
Ich habe mein Paradies schweren Herzens zurück gelassen, und ich rechne erstmal nicht damit, zurückzukehren. Dieses Jahr gab es weniger ruhige, nachdenkliche, einsame Genießer-Momente, doch dafür gab es mehr Verrücktheit, Geselligkeit und Gesprächigkeit. Das war schön. Egal wie sehr sich dieser Ort von Mal zu Mal verändert hat - manche Sachen verbesserten sich und andere dafür verschlechterten sich, während einige Dinge auch einfach immer gleich bleiben - jedes mal gab es etwas neues Charakteristisches an dem Ort und dem Projekt, das ich lieben lernte. Jedes mal entdeckte ich eine neue Seite, und jedesmal fand ich Altbekanntes, Gewohntes wieder, am anderen Ende der Welt. Es ist schön, dass es so einen Ort für mich gibt. Doch ich weiß, er wird sich weiter verändern, und mein kleines persönliches Paradies wird mit den Jahren höchstwahrscheinlich schwinden - denn alles entwickelt sich weiter, mehr Leute kommen von Jahr zu Jahr, dafür gibt es weniger Schildkröten, mehr Gebäude, mehr Autos, weniger Dschungel, weniger Freiheitsgefühl. Dann bleibt nur noch Wehmut zurück. 
Vielleicht kann ich ja ein neues persönliches Paradies finden, irgendwo auf der Welt. Aber bitte immer mit Schildkröten. 


Sonnenaufgang Warten auf das Boot
Butter the Bat-Cat. Sie rannte weg - vor zu viel Liebe? =P danke JTP - dass ihr mich zu einer Schildkrötenverrückten gemacht habt

29Juni
2014

Einsichten und Aussichten

Huhuuu!

Da bin ich wieder!

Mit dem Update der letzten drei Wochen.

Nun ja, die meisten Tage ziehen so vor sich hin. Mal sitz ich viel vorm Computer, mal kaum, denn die meisten Daten habe ich schon gesammelt und abgespeichert. Ansonsten gehe ich natürlich jeden Tag schwimmen oder ein bisschen schnorcheln. Meist schwimm ich einfach nur zu dem Felsen direkt vor unserem Strandabschnitt, wo sich bei Flut viele Fische tummeln und bei viel Glück auch eine jugendliche Grüne Schildkröte namens Jareth, die das sich in den Wellen wiegende Seegras futtert. Vor ein paar Tagen habe ich auch meinen ersten Sonnenaufgangs-Schnorchelausflug gemacht: wir haben um 6 Uhr morgens den Strand patrouilliert, haben auf den Aufgang gewartet und sind dann ins Wasser. Das hat sich richtig gelohnt. Und ich war überrascht, wie viele Clownfische überall zu sehen waren! 
Ansonsten verbringt man die meiste Zeit in guter Gesellschaft in den JTP Räumlichkeiten. Die Sommermonate sind voll mit Freiwilligen, die ins Projekt kommen, und da ist immer was los, wird immer was gelacht und geredet und herumgealbert, und die Zeit vergeht wie im Flug und plötzlich wird es draußen dunkel, ohne dass man sich viel vom Platz bewegt hat.

Der Strand ist wie immer traumhaft schön, und wie schon 2012 kann ich mich einfach nicht satt daran sehen. Dass nun in meinen "Lieblingsausblick" zwei Türme des benachbarten Resorts stehen, anstelle von Gebüsch und Gestrüpp, stört wenig. Es ist immer noch zum Verrückt-werden schön! 

ich =) Traumstrand  Jareth  

Unsere Turtle-Mamas von Mentawak sind auch wie erwartet wiedergekommen und haben weitere Nester gelegt. Elaine wie immer ziemlich unbeeindruckt von dem ganzen Pipapo um sie herum, und jedesmal am frühen Abend um 21 Uhr herum, sodass wir Schildkröten-schauen als Abendunterhaltung haben und dann schön befriedigt um Mitternacht ins Bett gehen können. Mystery-Mum hat es uns da wieder etwas schwerer machen wollen: sie kam am gleichen Abend wie Elaine, jedoch um zwei Uhr nachts, und wir wurden alle aufgeweckt und düsten mit unseren Mopeds zum Strandabschnitt, wo ein Freiwilliger sie entdeckt hatte. Als wir alle mit unseren Schlafklamotten am Strand standen, und alles dunkel war da in Juara Stromausfall war, sahen wir lediglich, wie Mystery Mum wieder gen Meer kroch, mal wieder ohne gelegt zu haben. Jedoch kam sie am nächsten Abend zurück, und diesmal... ja diesmal hat es geklappt! Mystery-Mum hat ihr Nest gelegt, und wir standen und saßen alle um sie herum und konnten es beobachten! Mystery-Mum wurde auch mit den Metallmarkierungen versehen und das Mystery ist somit nun endlich gelöst 
Gleich am nächsten Morgen fand die Bootspatrouille ein weiteres Nest. So haben wir mittlerweile 29 Nester in unserer Hatchery.

 Yeyyyy, ein weiteres Nest der Mystery-Mum!

Ich scheine bezüglich der Bootspatrouillen nicht mehr so glücklich zu sein, denn ich hatte dieses Jahr noch nicht die Gelegenheit, ein Green Turtle-Nest einzusammeln. Auch ist es mittlerweile dreimal passiert, dass die Mutter zu spät den Rückweg gen Wasser angetreten hat und dann bei Ebbe inzwischen der Felsen steckengeblieben ist, die den Stränden vorlagern. So sahen die Leute auf Bootspatrouille eine Mutterschildkröte bei Tageslicht, wie sie ermüdet auf den Felsen ruht und darauf wartet, bis die nächste Flut sie ins Meer hinaustreibt. So gemein 

Babies hatten wir natürlich auch wieder, und dieses Jahr schlüpfen tatsächlich fast alle Nester vor Sonnenuntergang - naja, das war 2012 auch schon so. So kann man noch schön Fotos machen und gutchi gutchi gu und posen, bevor man sie bei Dämmerung freilässt. Ich hab die Gelegenheit genutzt, mal ein paar intime Nahaufnahmen eines Hawksbill-Babies zu machen  

Hatchery kurz vorm Schlüpfen Einsammeln und Messenlustiges Kerlchen


PanzersichtBauchsichtGesichtsicht

JO's neues Becken wird leider auch nicht mehr fertiggestellt werden, bevor ich Juara verlasse. Schade, ich hätte sie zugern in ihrem neuen Zuhause schwimmen gesehen. Aber ich darf mich auch nicht beschweren, ist ja nicht so, als hätte ich auch nur eine Minute lang mitgeholfen und meine Finger schmutzig gemacht  Immerhin macht es langsamen Fortschritt.

JO und Blick auf das neue Becken

 

Uuuuuund mein Lieblingsthema: eklige Excavations! Das war der Fall für die letzten drei, da diese Hawksbill-Nester sehr viele Eier hatten, um die 150, und meist war der Schlüpferfolg nur mäßig. Das scheint die Regel zu sein, wenn ein Nest soo viele Eier hat. Ich weiß noch immer nicht genau, wieso. Ob es wohl die Temperatur ist, die zu sehr steigt, wenn all diese Eier metabolische Hitze generieren? Und ob natürliche Nester mit so vielen Eiern auch Probleme haben? Auf jeden Fall hatten wir jedesmal 30 und mehr Eier, die nicht entwickelt waren, und die es zu öffnen galt. In vielen fand sich nur Eigelb, aber in erstaunlich vielen konnten wir auch Embryos der verschiedensten Stadien finden! Ein paar Albinos mit verformten Köpfen (einer davon zuckte noch... wäre aber nie geschlüpft) und Mini-Embryos waren darunter. Eklig! Und richtig interessant zugleich  Es ist lustig, die Reaktion der neuen Freiwilligen mitzuerleben, wenn sich ein paar Schildkrötenretter über eklige tote Embyros freuen und sich an makabren Missbildungen aufgeilen. Es ist nunmal richtig aufregend! Und tot sind sie sowieso...

toter, fast voll entwickelter Embryo Excavation-Überbleibsel

In den letzten Wochen war ich outdoor-technisch auch ein bisschen aktiver als am Anfang. Zunächst wurde ich dazu gezwungen, den Trek nach Tekek mitzumachen, worauf ich dieses Jahr eigentlich gaaar keine Lust hatte (wird man mit dem Alter lauf-fauler? Bei mir siehts so aus...) Besonders viel im Dschungel haben wir auch nicht gesehen, weil alle Mädels wahrhaftig gerannt sind, und auf Wildlife-Beobachten wohl keinen Bock hatten. Also hetzte ich hinterher... dann waren auch die ganzen tollen Läden in Tekek geschlossen, aber immerhin gabs Pizza zum Abendessen und einen erfrischenden Sprung in den Wasserfall. Und ein lustiges Gruppenfoto 

Auch hatte John ein paar JTP-Leute dazu eingeladen, auf seinem neu erworbenen Boot die Insel zu umrunden. Das war ein toller Tag! Am Anfang ging es uns allen noch etwas schlecht, weil das Wetter nicht so gut war und die Wellen unruhig... aber nach dem ersten Schnorchelstopp war das fast vergessen. Aber Leute: Sobald man hier an den berühmten Schnorchelstopps ins Wasser springt, kommen alle Fische auf einen zugeschwommen, umzingeln dich, und versuchen sogar an dir zu knabbern! Erstmal ist das ganz lustig, aber wenn man sich bewusst macht, wieso das so ist, wird es traurig: Alle Leute hier füttern die Fische. In den Riffen gibt es anscheinend nicht mehr genug zu sehen für die ganzen Schnorchler, also werden Fische angelockt indem sie mit Brotkrumen gefüttert werden. Und das macht die Fische abhängig. Und sie verhalten sich unnormal. Also: unterstützt sowas nicht! (...sprach die Weltenretterin, haha)
Wir hatten dann ein Mittagessen in Salang, eine Bucht mit wunderschönem kristall-blauem Wasser, aber hier hatte wohl niemand einen Plan als es um Strandbebauung ging: kaum Palmen, nur Hütten und Häuser, die sich aneinander reihen, und als Panorama hat man die Zementfassaden der Burgerbuden und Souvenirshops. Wollen die Touristen sowas überhaupt? Oder nicht doch eher einen von Palmen gesäumten Strand, der zumindest die Illusion von Paradies und Abgeschiedenheit gibt.
Der zweite Schnorchelstopp vor Salang war traumhaft! Wir haben soooo viel gesehen, wenn auch die Korallen an einigen Stellen sehhhhr beschädigt sind! Und ich habe viermal eine ausgewachsene Hawksbill-Schildkröte gesehen! Wobei manche nicht gläubige Leute mir weiß machen wollen, dass das bestimmt jedesmal die selbe war 
Bis dahin hatten wir uns ziemlich viel Zeit gelassen, und wir mussten noch drei Viertel der Insel umrunden! Das geschah dann bis Sonnenuntergang in einem Durchgang mit höchster Geschwindigkeit.... doch immer noch langsam genug, um an Deck zu stehen und die Insel langsam an sich vorbeiziehen zu lassen... und ich muss sagen, der Süden der Insel ist wirklich noch traumhaft schön, mit kleineren weißen Stränden und Buchten, ein paar teureren Resorts und einer wunderschönen Landschaft! Doch der Rest...? Mhhh, mir würde es nicht wirklich gefallen, mit so viel Tourismus und Bars und Restaurants und Booten und Bootsverkehr und Tauchern und Leuten überall...

bereit zum Trekking! die weirdo Boots-truppe der Süden von Tioman uhhhhhh die schöne Aussicht genießend

 
Dann hatte ich noch einen Ausflug nach Tekek mit dem Moped. Izzati ist natürlich die Todesstraße über die Insel gefahren! Dort haben wir uns das Marine-Park-Informationszentrum angeschaut, sind herumgefahren, einkaufen gewesen, und haben das andere Schildkrötenprojekt besucht, das leider Gottes seit letzter Woche nicht mehr besteht... weil der verantwortliche Einheimische von den Auftraggebern einfach nicht mehr bezahlt wird, und deshalb die Hatchery abgerissen hat. So schnell also können solche Projekte im Nichts verschwinden... und Informationsquellen haben natürlich weitergegeben, dass die Eier nun wieder unbesorgt gesammelt und gegessen werden..  

in Tekek uhhhh ich fasse eine Schildkröte an! haha

 

Uuuund zu meinem Geburtstag: Das war vielleicht der beste den ich je hatte! Zunächst fanden wir früh morgens ein Nest der Mystery-Mum, keiner hatte sie jedoch wiedermal gesehen. Nachmittags sind Charlie, Dan, ich und Elena mit dem Turtleboot rausgefahren, und ich wusste nur vage, dass wir schnorcheln gehen wollten. Doch die Jungs hatten ein Surfbrett mitgenommen, und kaum waren wir außer Sichtweite von Juara, hat sich einer auf das Brett gelegt / gekniet / gestellt, mit einem Seil in der Hand, und der andere hat mit dem Boot Vollgas gegeben und den einen hinter sich hergezogen. Wir Mädels haben das natürlich auch mitgemacht, aber ich lag eher wie eine schreiende und lachende fette Flunder auf dem Brett und hatte größte Mühe, dass das Seil nicht durch meine Hand rutscht. Aber es war ein Heidenspaß! Dann sind wir noch weitergefahren und sind in einer der vielen vielen Buchten geschnorchelt. Auf dem Rückweg gab es dann nochmal ein paar Surfversuche, und lustige Aktionen im Wasser, bis wir bei Ankunft in Juara in die Hatchery gerufen wurden weil ein Nest gerade am Schlüpfen war!
Abends hatte Izzati eine kleine Karaoke-Fress-Party in der Karaokebar geplant. Es gab Nasi Lemak und Saté, zwei leckere und in Juara selten auffindbare malaysische Gerichte, viiiiel Milo Ice und Süßes, viele kleinere Geschenke für mich, und natürlich hunderte von Karaoke-Liedern! Und jeder hatte einen Reisenspaß und hat mindestens einmal gesungen oder mitgesungen!
Das war wirklich ein toller Tag, und ich hab mich wie ein kleines Kind gefühlt dem alle Wünsche erfüllt wurden  

Geburtstags-Spaßtrip und so sehen Fortgeschrittene aus =)

So, das war's auch schon wieder, ich genieße jetzt die letzten zwei Wochen in meinem persönlichen Paradies, führe noch die letzten verbleibenden Interviews... und dann bin ich wieder zurück in Deutschland. Darauf freue ich mich übrigens auch schon 

 

Lichter-Spaß abends am Strand

 

14Juni
2014

und alles zum vierten mal...

Sooo… schon wieder muss ich mehrere Wochen in nur einem Eintrag zusammenfassen. Da kommt man ins hoch-technisierte, luxuriöse Turtle Project mit eigenem Bad, Waschmaschine, Köchin, (seit wenigen Tagen auch ein) Fernseher, privaten Fortbewegungsmitteln und sonstigem PipaPo, und das Wifi funktioniert fünf Tage lang und bricht dann für die nächsten fünf Wochen und länger zusammen. Und selbst bei mehrmaliger Beschwerde bei der Internetfirma bewegt sich nichts. Da kann ich nur von Glück sprechen, dass ich für meine Masterarbeit nicht wirklich Internet brauche. Nur meinen Kopf und einen PC – und das habe ich Gott sei Dank.

zurück unter Palmen

Aber gut – fangen wir bei der Ankunft an.

Bei jeder Rückkehr gibt es ein paar Veränderungen im Projekt, und jedes mal sehen die Gebäude ein bisschen mehr „fancy“ aus und es ist ein bisschen mehr an Einrichtungen dazugekommen.
Im Hauptgebäude stehen mittlerweile fünf Tische und sehr viele Stühle, und eine „Selbstbedienungs-Zeile“ wo morgens und mittags von der Köchin ein kleines Menü aufgetischt wird, dazu ein Kühlschrank nur für die Volunteers (der meistens voller Bier steht =/ ). Die Küche ist mittlerweile nur noch für Personal zu betreten, denn hier befindet sich der VIP Kühlschrank mit allen kostbaren Nahrungsmitteln drin, der große Milo-Behälter und die Köchin ist am Werkeln.
An das Hauptgebäude anschließend ist ein offener Werksbereich mit langer Tischzeile und dem Fernseher, das „Laboratory“ genannt. Dann wurden drei neue Häuschen gebaut: eins für Charlie und zwei für Familien oder Pärchen. Dazu kommt das alte Dormgebäude, wo ich schon immer drin geschlafen habe, und die zwei Dschungelhäuschen die 2012 gebaut wurden. Puh!

Die „Visitor-area“ gegenüber hat sich nicht wirklich verändert – es hängen sogar noch die alten Schilder rum, die ich damals gemalt habe, und die haben eine Erneuerung dringend nötig – das tropische Wetter hat ihnen wohl zugesetzt. Die einzige Neuerung besteht darin, dass neben Jo’s Mini-Becken mittlerweile ein großes rundes Zementloch steht, das irgendwann in den nächsten Wochen und Monaten ihr neues Zuhause werden wird. Dann endlich muss man nicht mehr die kritischen Blicke der aufgeklärten Besucher ertragen, wenn man ihnen zehn Minuten lang über Schildkrötenschutz vorträgt und sie dann zu einem Becken führt, in dem eine blinde achtjährige Schildkröte kaum Bewegungsfreihaum hat und jede Minute mit ihrem Kopf an der Wand anstößt, nachdem sie zwei Schwimmzüge getätigt hat.

noch immer gleich...

Die Hatchery dieses Jahr ist von der ästhetischen Seite kaum mit meinem Prachtwerk von 2012 zu vergleichen – und anscheinend wurde der Zaun schon wieder nicht tief genug  gegraben, denn wir hatten und haben wieder Krabben in der Hatchery, die nachweislich auch ein Nest attackiert haben und davon mehrere Eier und Schlüpflinge verzehrt haben. Danach wurde ich aufmerksam und habe „Krabbenfallen“ aufgestellt, das sind simple Eimer, die ich vor jedes Krabbenloch in den Sand grabe – und die Tiere sind auf eine liebenswerte Art so dumm, dass sie einfach hineinfallen.

Auch die Arbeitsmethodik hat sich ein wenig geändert:
- vorbei sind die abenteuerlichen nächtlichen Bootsfahrten, bei denen man mit einem Behältnis voller Schlüpflinge, einer Schwimmweste und einem Hauch von Nervenkitzel und Gefahr zusammen mit Charlie raus in die See fährt, ohne Licht, nur der Mond und die Sterne und die Wellen, und die Kleinen von ihrem Ursprungsstrand freilässt, sodass sie dort bei errungener sexueller Reife wieder zurückkehren können. Angeblich habe das Projekt von einem Wissenschaftler erfahren, dass Schildkröten nicht an den genau exakt gleichen Strand zurückkehren, sondenr nur in das Gebiet, von wo aus sie ihre Lebensreise begonnen haben. Deshalb werden die Kleinen jetzt nur noch an unserem Hausstrand Mentawak freigelassen, in dem Glauben, dass sie in 30 Jahren, wenn dieser Strand mit hell erleuchteten Resorts und Strandliegen und feiernden Menschen übersät ist, von alleine ihren Weg zu einem der anderen Strände finden, die so klein und abgelegen sind, dass sie wohl niemals von Tourismusentwicklung bedroht werden.
- auch werden jetzt Schlüpflinge an Mentawak kurz nach dem Schlüpfen freigelassen. Früher haben wir die Kleinen immer bis zum Morgengrauen aufbewahrt, da wir zu sehr fürchteten, die nächtlichen Lichter von Juara würden eine so große Wirkung ausüben, dass die Schlüpflinge auf sie zuschwimmen, und dann irgendwo in der Bucht oder gar am Strand von Juara verenden und nie in den offenen Ozean gelangen. Nachdem aber letztes Jahr ein Experiment durchgeführt wurde, bei dem die Schlüpflinge einige Minuten lang verfolgt wurden, ist sich das Projekt sicher, dass die Lichter keine Gefahr darstellen, sobald die Schlüpflinge im Wasser sind.
- früher hatten wir unseren Bootsfahrer „Boy“, der mit uns jeden Morgen die anderen Strände abgefahren ist und die Nester für uns gefunden hat, sobald wir Spuren sahen. An Mentawak, unserem Hausstrand, den wir nachts zu Fuß ablaufen, haben wir keine Hilfe gebraucht, und deshalb auch niemanden bezahlt, wenn wir hiervon Eier eingesammelt haben. Das hat sich nun geändert. Seit diesem Jahr hat das Projekt Kassim, den Vater von Boy, angestellt, und zahlt ihm 3 Ringgit pro Ei, das er „für uns einsammelt“. Dabei handelt es sich lediglich um eine tolle Maßnahme, um Schildkrötenschutz profitabel zu gestalten und damit Kassim, der einst gefürchtete Eiersammler von Juara, wieder seine Macht über all diejenigen Gestalten ausüben kann, die manchmal auf illegale Weise ihr Glück versuchen. Anscheinend fürchten die Einheimischen Kassim so sehr, dass es keiner mehr wagen wird, „seine“ Nester zu stehlen. Das ist eigentlich toll, aber – da Kassim natürlich für sein Geld auch arbeiten will (was ja auch vorbildlich ist) und nicht einfach nur einkassiert während die Volunteers die Eier einsammeln, übernimmt Kassim nun meine allerliebste Lieblingsaufgabe in dieser Welt – am Po einer Schildkröte zu hängen und während sie die Eier in die Kammer fallen lässt, diese sofort einzusammeln, mit einem fischigen Geruch in der Nase, Sand in der Hose und Schleim an den Händen.

Turtle track, Strand und Hatchery

Ansonsten haben wir dieses Jahr viele viele Katzen und Kätzchen – und ich bin begeistert, denn Spaceship, eine der jungen Katzen von 2012, ist immer noch hier! Und mittlerweile ist sie die Super-Mum. Denn es gibt noch drei andere große Katzen, die aber eigentlich Spaceship’s Kinder sind. Und Spaceship hat wieder neue Kinder bekommen und zwei ihrer größeren Kinder haben auch ihren ersten Wurf gehabt.

katzenverrückt Spaceships kleine Racker

Schlüpflinge hatten wir auch schon einige, und meistens sind diese am frühen Abend, kurz vor Nachteinbruch, geschlüpft. Die Freilassungen waren dann oftmals ziemlich geschäftig – da Schulgruppen im befreundeten Resort nebenan waren und wir diese natürlich benachrichtigten, waren das dann gleich mal 60 Leute mehr, die um die Babies herumstanden.

Schlüpfen bevor es dunkel wird... und selbst in der Hatchery wissen sie wo das Meer ist!  da wirds schonmal eng am Zaun... und die Volunteers müssen sich beeilen...
in der Box gefangen wollen sie nichts wie raus und endlich sind sie frei!


Bisher hatten wir nur Hawksbill-Nester die geschlüpft sind – insgesamt hatte das Projekt am Anfang dieses Jahres viele Hawksbill-Nester, mehr als im Durchschnitt. Dafür haben wir gaaanz schön lange auf unsere Green Turtles gewartet – wir hatten Mitte Mai schon Angst, die kommen gar nicht mehr, bis Rahim eines Morgens gleich zwei Schildkrötenspuren an Mentawak fand! Eins davon war ein Nest und eins davon nur ein Nistversuch. Wir fanden jedoch relativ schnell heraus, dass Nest und Nistversuch nicht von der gleichen Schildkröte gemacht wurden, sondern dass es zwei verschiedene Schildkröten waren! Wir sammelten das Nest ein und wussten, dass die andere Schildkröte in der folgenden Nacht zurückkehren würde. Wir planten dementsprechend viele Patrouillen, doch bereits um 21 Uhr sahen ich und Elena die Schildkröte, als sie den Strand hochkam. Wir riefen Izati an, welche den Rest der Volunteers brachte. Und später, als sie die Metallmarkierungen in der Vorderflosse überprüfte war klar – das ist Elaine!!!! Unsere reproduktive, unerschrockene Super-Mama von 2012 mit 9 Nestern, die nach nur einem Jahr Pause wiederkam und anders als andere Schildkröten sich vor nichts fürchtet – selbst wenn einige unhörige Leute weißes Licht direkt in ihr Gesicht scheinen – Elaine macht weiter. Selbst wenn zwanzig Leute um sie rumstehen und -sitzen und reden, Elaine macht weiter.
Mittlerweile haben wir schon 3 Nester von Elaine mit 130, 136 und 130 Eiern. Und die sind auch jedesmal richtig schön tief, mehr als 80 cm! Theoretisch könnte Elaine nach dem 3. Nest aufhören, doch dir hoffen alle, dass sie dieses Jahr genauso fortpflanzungsfreudig sein wird!
Die zweite Mutter ist dabei ein großes Rätsel – als wir sie das zweite mal zurückerwarteten, kam sie einfach nicht. Wir dachten, okay, vielleicht hat sie nur ein Nest in dieser Saison gelegt, was jedoch sehr untypisch für Green Turtles ist. Letzte Woche waren dann plötzlich wieder zwei Schildkröten am Strand, und das zur gleichen Zeit, nur wenige Meter voneinander entfernt! Sowas hat man hier auch nicht alle Tage. Wir teilten uns in zwei Gruppen auf, und die Volunteers und Touristen konnten sich aussuchen, welcher Schildkröte sie zuschauen wollten. Während Elaine jedoch wie immer ihr Nest legte, verließ die zweite mysteriöse Mutter ihren Nistversuch und ging zurück ins Meer. Später in der Nacht wagte sie noch einen Versuch, und ging wieder zurück ins Meer. Seitdam ward sie nicht mehr gesehen, und ein Nest haben wir nie gefunden. Auch nicht an einem anderen Strand. Ob sie wohl tatsächlich ihre Eier im Ozean „abgetrieben“ hat?

das Nest der Mystery-Mum Volunteers beim Arbeiten und Rumstehen Elaine kam fast bis ans Chalet hoch! (aufgrund fehlender Vegetation) und weicht gerade so dem Bootsunterstand aus ;-)

Insgesamt haben wir jetzt 20 Nester. Die Hawksbill-Turtles haben bereits aufgehört zu legen, sodass wir momentan an zwei unserer Strände drei produktive Green Turtles plus die mysteriöse Green Turtle haben. Da das Projekt letztes Jahr eine Rekordzahl von 73 Nestern erhielt – in ganz Malaysia wurden anscheinend mehr Nester als die Jahre zuvor gelegt – ist es nur logisch, dass wir dieses Jahr viel weniger erhalten werden. Die Population hat nämlich nicht zugenommen. Nicht so plötzlich, nicht nach nur so wenigen Jahren. Letztes Jahr war anscheinend ein besonders gutes Jahr, in dem sich viele Mütter dazu entschieden haben, sich fortzupflanzen. Danach machen sie aber mindestens ein Jahr Pause, sodass alle Mütter von letztem Jahr dieses Jahr nicht zurückkommen. Dementsprechend wird nur der kleine Rest unserer Population dieses Jahr nisten.


Dieses Jahr gibt es mehr Volunteers als 2012 – und so werden die Abende entweder gesellig in einer großen lauten Gruppe verbracht oder Elena und ich als alte Hasen vom Projekt seilen uns von der Menge ab und genießen die Ruhe. Ich merke auch bereits, dass ich mich mit meinen bald 25 Jahren nicht mehr so ganz mit einer gemischten, flirt-wütige Meuten von 18 und 19-jährigen Kindern aus den USA anfreunden kann. Andererseits ist Elena, meine beste Freundin hier im Projekt, auch gerade mal 18, aber ganz ganz anders drauf =)  

Leider kann ich hier nicht sehr detailliert über die Tourismusentwicklung an diesem Strand berichten, da dies Thema meiner Masterarbeit ist und ich den Leuten absolute Vertaulichkeit zugesichert habe, und nicht Gefahr laufen möchte, irgendetwas öffentlich zu beurteilen.
Aber ich kann die beobachtbaren Fakten auflisten:
- neben uns ist steht nun das 2012 neu gebaute Hotel „Coconut grove“, das etwas feiner und luxuriöser ist als die alten Holzchalets, die es früher nur gab. Ich habe das Gefühl, dieses Hotel hat einen weitaus weniger negativen Einfluss auf die Schildkröten als 2012 alle befürchtet haben. Die Belichtung ist relativ schildkrötenfreundlich, und von Party und Karaoke und Horden von Menschen am Strand ist nichts zu sehen.
- das Backpacker-Hotel „Beach Shack“, die daran anschließenden einheimisch geführten Chalets und die einheimischen Häuser bestehen, wie seit eh und je, und nichts hat sich daran geändert.
- das neue „Beach Shack“, bzw. die Erweiterung am nördlichen Ende des Strandes ist fleißig am Gebaut-werden – derzeit gibt es zwei große Chalets direkt am Strand, auf Stelzen und mit zwei Stockwerken – etwas ganz Neues hier.
- daneben schließt ein weiteres Resort an, welches auch 2012 gebaut wurde, mit Chalets die sich um einen Garten gruppieren und einem gut beleuchteten Restaurantbereich.

Das wars. Gerüchte sind in der Luft, dass Chinesen das derzeit noch unberührte Landstück zwischen Coconut grove und Beach Shack aufgekauft haben und planen, ein Resort mit 100 (!!!) Chalets hinzubauen. Nur zum Vergleich: die größten Resorts an diesem Strand haben derzeit maximal 20 Chalets. Das Zeitalter der dicht aneinandergereihten Strandliegen und Partytouristen lässt anscheinend nicht mehr lange auf sich warten. Hier werden sich in wenigen Jahren definitiv Hotels an Hotels reihen. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Turtle Project rund um diesen boomenden Tourismus entwickeln wird.

Strandblick von unseren Nachbarn aus Touristen und Schulkinder bei einer Freilassung


Und das war’s. Die Hälfte meiner Zeit hier ist schon rum, erschreckenderweise, und ich muss weiter fleißig Daten sammeln =)

Machts gut!

 

09Mai
2014

Sulawesi Teil 2 - der Norden

Malenge

Die Beschreibung im LonelyPlanet führte uns zum Hotel Lestari in Malenge, und schon bei der Ankunft im Dunkeln konnten wir erahnen, dass dies ein Stück vom Bilderbuch „paradiesische Pazifik-Inseln“ ist. Eine türkisfarbene Lagune zur einen Seite und ein schillernd blaues Meer mit Korallenriff und vielen Fischen zur anderen Seite, dazu ein weißer Sandstrand, ein Holzsteg, von dem aus man direkt in einen darunter beheimateten Fischschwarm springen kann, und den permanenten Ausblick auf eine lange Holzbrücke, die zu einem nahen Fischerdorf auf Stelzen führt. Dazu teilten wir uns den Ort mit zwei, maximal vier weiteren Gästen. Es waren fünf paradiesische Tage.
Wir verbrachten unsere Tage damit, am Holzsteg oder am Strand abzuhängen und von dort aus kleine Schnorcheltrips in die eine oder andere Richtung zu starten (wo ich teilweise Fische sah, die ich glaube, noch nie gesehen zu haben), oder einfach von oben zu beobachten, wie Thunfische von Zeit zu Zeit die Fischschwärme jagten.

hier kann man ein paar Tage verbringen... Dan und der Fischschwarm

Abgesehen davon haben wir auch eine „richtige“ Schnorcheltour zu einem Barriereriff gemacht, wo wir fast drei Stunden non-stopp in der Mittagssonne im Wasser waren (es war auch wirklich gut!) und Dan als Folge dessen für die folgenden Tage im Schatten verbringen musste ;-)  
An einem anderen Tag wollten wir richtig aktiv sein und den Dschungel erkunden. So folgten wir vormittags recht wahllos einigen Waldpfaden, die uns jedoch immer wieder auf Brandrodungs-Felder führten, die als Sackgassen dienten. Für den Nachmittag arrangierten wir dann eine „geführte“ Tour zu einer Fledermaushöhle, die jedoch ein ziemliches Desaster war: zunächst hieß es, wir brauchen nur eine halbe Stunde, also starteten wir um fünf Uhr nachmittags. Doch dann liefen wir eine ganze Stunde lang durch den Dschungel, teilweise musste der Weg mit der Nachete freigeschlagen werden und viel zu oft stritten sich die drei einheimischen Jungs darüber, ob nach rechts oder nach links. Pünktlich um 6 Uhr standen wir dann in einem dunklen, geräuschvollen Regenwald, ohne jemals eine Höhle erreicht zu haben, und drehten schließlich um. Anscheinend war es im Dunkeln zu schwer, dem Pfad zurück zu folgen, sodass wir uns die erste Stunde lang durch das Unterholz kämpften, bis wir wieder auf den ursprünglichen Pfad gelangten. Da hatte ich erstmal genug von Dschungeltrips!
Ein anderer etwas misslungener Trip stellte unser Kanuausflug dar . Dan und ich saßen in einem alten Holzkanu und hatten die romantische Idee, um das Fischerdorf herum und dann die Holzbrücke entlang zu paddeln. Doch die Führung dieses Kanus stellte sich als besonders kompliziert heraus, wir hatten einfach keine Ahnung wie dieses Ding zu steuern ging, und ich bin immer noch überzeugt davon, dass das Kanu einen Links-Schwenker drin hatte 

   Einsiedlerkrebse sind tolle Spielzeuge =) ruhiges, klares Meer...
   okay, ich hör ja schon auf euch neidisch zu machen =)

On our way...

To Kadidiri Island. Dies ist eine Insel weiter südlich, und viel touristischer als Malenge. Von dort aus wollten wir den „Jellyfish-Lake“ besuchen und die Fähre zwei Tage später nach Gorontalo nehmen, also zurück aufs Festland.
An unserem Reisetag begann der „große Sturm“, und wir verbrachten fünf Stunden lang auf einem kleinen ungemütlichen Holzboot bei zeitweise angsteinflößendem Wellengang (der erst auftauchte, als wir schon eine Stunde von Malenge entfernt waren, sonst wäre ich vielleicht umgekehrt). Normalerweise braucht man für den Weg zwei Stunden...

Kadidiri

Wir kamen am „Touri-Strand“ von den Togean-Inseln an und mussten in einem Tauchresort absteigen, weil die Budget-Unterkunft voll war (und es gibt nur drei Unterkünfte dort... das bedeutet "touristisch" auf den Togeans!). Doch dies stellte sich als eine gute Entscheidung heraus, da ich die nächsten zwei Tage im Bungalow verbringen sollte....
Nachts kam ein heftiger Sturm, der sogar Teile des Holzstegs niederriß, doch ich genoß lediglich die kühle Brise, die in den Bungalow hereinwehte, als ich mit plötzlich eingetretenem, starkem Fieber und Kopfschmerzen im Bett lag. Als sich keine Besserung am Mittag auftat, holte Dan eine Tauchlehrerin, die mir drei Tabletten gab und Besserung nach zwei Stunden versprach. Diese traf auch ein, und ich konnte tatsächlich für eine Stunde lang durch den Dschungel laufen, um einen anderen Strand zu besuchen. Doch in der Nacht kam das Fieber zurück, und diesmal bekam ich Panik, denn so heiß war mein Körper noch nie gewesen, und ich war weit weit entfernt von jeglichem Arzt... Was, wenn es Malaria war? Dan holte wieder jemanden, diesmal mitten in der Nacht, und ich bekam eine Schmerztablette, ein kühles Getränk und ein nasses Tuch. Die Tatsache, dass niemand von den „Ansässigen“ beunruhigt war und mir lediglich ein paar Pillen verabreichte, beruhigte mich wiederum ein bisschen. Nach vier Pillen am Nachmittag konnte ich wieder für ein paar Stunden den Bungalow verlassen, wenn auch sehr schwach und wackelig.
Bevor ihr euch Sorgen macht: laut einer Selbstprognose hatte ich Dengue-Fieber, was normalerweise recht harmlos verläuft, wenn man Fieber und Kopfschmerzen übersteht. Ich war nie bei einem Arzt da es mir kontinuierlich besser ging, sobald wir wieder auf dem Festland waren, und es somit definitiv kein Malaria war =) Als eine „Nachwirkung“ litt ich noch zwei Tage lang an Juckreiz überall am Körper, der mich kaum schlafen ließ, doch nach knapp einer Woche war ich wieder vollkommen genesen.

die Vorboten des Sturms...

On our way...

To Gorontalo. Wir nehmen die Fähre für 10 Stunden, von denen ich die Hälfte oder mehr schlafend und mit heftigsten Kopfschmerzen verbringe. Das Fieber hat jedoch abgenommen. Außer dass ich mal auf einer Matratze im „Schlafabteil“ liege, mal auf einem Stuhl sitze, passiert nicht viel. Ich bemitleide mich selbst, auch dafür, dass ich die letzten Tage mein geplantes Programm nicht durchziehen konnte...

Wir schlafen in Gorontalo.

Unser Zielort ist Manado im äußersten Norden, deshalb nehmen wir mittags ein Auto für noch einmal zehn Stunden. Ich fühle mich tatsächlich gut genug, um diese Fahrt zu überstehen, aber zehn Stunden sind trotzdem super nervig und unbequem, und wir kommen müde und hungrig im Hotel an.

Tomohon

Nach einer Nacht in Manado fahren wir eine Stunde lang in die Berge nach Tomohon, wo es überraschend kühl ist. Tomohon ist vulkanisch aktives Gebiet, und das ist der Grund wieso wir hier sind. Nachmittags laufen wir ein bisschen in der Umgebung herum und betrachten den Vulkan von unten, den wir jedoch nie besteigen werden, weil uns aufgrund erhöhter Aktivität davon abgeraten wird und wir beide gesundheitlich etwas schwächeln.

Vulkan von unten
Dennoch versuchen wir am zweiten Tag ein striktes Programm einzuhalten: leider viel zu spät erreichen wir den Markt, wo uns trotzdem noch Schlangenteile, Hunde, Fledermäuse und viele viele Schweinsköpfe erwarten. Dann nahmen wir einen Bus zu einer Kreuzung außerhalb der Stadt, von wo aus wir etwas mehr als eine Stunde durch recht netten Nebelwald auf einen Vulkan hochwanderten, dessen Krater wir umrundeten und vielen Zirkaden begegneten, die wild um uns herumflogen. Danach ging es zurück zum Busterminal und mit einem anderen Bus zu einem schwefeligen See. Leider war der Zugang zum See aufgrund von Renovierungsarbeiten an der touristischen Infrastruktur geschlossen, sodass meine Neugier an den hier und da gesichteten Fumarolen größtenteils unbefriedigt blieb.

Markt-Reste bei der Kraterumrundung eine der vielen Begegnungen mit den lauten Tierchen.... unzugänglicher See

 Manado

Wir fuaren morgens zurück nach Manado, da wir die Fähre nach Bunaken Island nehmen wollen, laut unserem Reiseführer eines der besten Tauchgebiete der Welt. Da es in Tomohon immer äußerst unbeständiges Wetter war, machen wir uns keine Sorgen, als wir bei strömendem Regen losfahren. Wir sind sicher, in Manado wird die Sonne scheinen. Doch auch dort ist das Wetter schlecht, und ich blicke bereits besorgt auf die Wellen. Als weitere Touristen am Hafen ankommen und kurzerhand ein Speedboat chartern (die Fähre fuhr aufgrund schlechten Wetters nicht), setzen wir uns mit rein. Doch wir sind nichtmal aus dem Hafen raus, da gerate ich in Panik, denn das Boot schwankt stark auf der unruhigen See, und ich denke nur, weiter draußen wird es noch viel schlimmer. Das Boot muss umkehren um uns abzuladen, und seitdem bin ich eine Legende in Manado, denn alle Einheimischen am Hafen lachen mich aus (??? Dass ich nicht überreagiert habe, kann ich daran erkennen dass zwei weitere Leute das Boot verlassen). Wir bleiben die Nacht in Manado und hoffen darauf, dass es am nächsten Morgen besser aussieht.

Batu Putih

Dies ist nicht der Fall, und so fahren wir für teures Geld nach Batuh Putih, einem Örtchen an der Küste anderthalb Stunden nördlich von Manado. Der Grund, hierher zu kommen, ist jedoch nicht der Strand (der aufgrund seiner Weitläufigkeit und seines schwarzen Sandes dennoch eine kleine Sehenswürdigkeit ist), sondern der Eingang zum Tangkoko Nature Reserve, einem tierreichen Dschungelareal und tatsächlich das erste wirkliche geschützte Waldgebiet, das für uns in ganz Sulawesi erreichbar war. (Andere geschützte Gebiete wurden bereits im Reiseführer als schwierig erreichbar beschrieben oder waren von unserer Route aus nur für teures Geld im Rahmen einer mehrstündigen Autofahrt zu erreichen). Am Nachmittag machen wir eine erste kleinere Tour, um die nachtaktiven Koboldmakis zu sehen. Dies sind kleine, niedliche Äffchen mit großen Augen (und einem lustigen deutschen Namen, anders als das langweilige "tarsier" im Englischen), die festgekrallt an einem Baum verschlafen um sich blicken, um im nächsten Moment blitzschnell woanders hinzuspringen. Die Sichtungschancen sind fast 100 %, da sich die Koboldmakis immer in den selben hohlen Baumstämmen aufhalten, welche die Guides natürlich kennen. So standen bei Dämmerung zehn oder mehr Touris um einen Baumstamm herum und fotografierten wie wild diese niedlichen Kreaturen – ich natürlich auch =D

  coole Wurzeln Koboldäffchen im Baumstumpf Koboldäffchen am Baumstumpf Koboldäffchen von unten
Am nächsten Tag wollen wir schnorcheln gehen, also laufen wir den Strand eine gefühlte Ewigkeit entlang um das Korallenriff zu erreichen – doch nach nur 10 Minuten im Wasser wird das Wetter so schlecht, dass wir aufgeben. Zu Mittag laufen wir den ganzen weiten Weg zurück, da das Essen in unserer Unterkunft bereit steht. Dann fühlt sich Dan nicht so gut, und ich verbringe den Nachmittag mit Dies und Jenem und einem kurzen Spaziergang durch das relativ unspektakuläre und nicht wirklich schöne Dorf.

Strand von Batuputih
Am folgenden Morgen um 7 Uhr treffen wir unsere Guides wieder, um eine vier- bis fünfstündige Tour mit guten Sichtungschancen auf Affen, Vögel und anderes Getier zu machen. Zuerst führt uns der Guide zu einer wilden Bande von schwarzen Makaken, die zu unserem Erstaunen tatsächlich von ganz nah zu beobachten sind. Ja, man hätte sie fast anfassen können, als sie um uns herumrennen und -springen und wir ihnen immer wieder folgen. Es ist ein besonderes Erlebnis, doch andererseits fühlt es sich komisch an, wilden Tieren so nahe kommen zu können. Danach geht es tiefer in den

Wald hinein und wir sehen noch ein paar Nashornvögel und andere Flugtierchen und das übliche kleine Krabbelgetier. Dazu relativ coole Bäume mit mächtigen Wurzeln und Stämmen; einer davon, eine Würgefeige, ist innen komplett hohl und so breit, dass man im Innern hochklettern kann. Die viereinhalb Stunden kommen mir am Ende echt lange vor, und der Trip hat sich auf jeden Fall gelohnt.

sooo nah! und so viele! Hallo du... und Hallo ihr... Baby-Äffchen sind auch dabei Riesen-Würgefeige von innen...
und von außen (seht ihr mich?)

On our way...

Kaum aus dem Dschungel zurück nehmen wir ein Auto nach Manado, um einen letzten Versuch zu wagen, nach Bunaken Island zu kommen. Das Wetter und die Wellen spielen mit und um halb vier nachmittags finden wir uns bei Lorenso in einem Strandbungalow wieder.

Bunaken

Bunaken ist eine ziemlich spezielle Insel: dem Strand vorgelagert ist ein kleines Mangrovenwäldchen, das man passieren muss, um zum Korallenriff und zum Meer zu gelangen. Das Riff ist so besonders, da es plötzlich besonders steil in die Tiefe abfällt, und dieser Abgrund ist voll von bunten Fischen, Fischschwärmen und auch Schildkröten! Man könnte an diesem Abgrund entlang um die ganze Insel schwimmen, doch wir schafften es nie sehr weit, was auch nicht nötig ist. Der versprochene WOW-Effekt beim ersten Blick unter Wasser war tatsächlich da – so viele Fische auf einmal, auf einer so kleinen Fläche, und dazu Exoten und Besonderheiten wie die giftigen Feuerfische, habe ich noch nicht gesehen. Leider hat Bunaken nicht die beste Umgebung, denn es liegt kurz vor Manado, und von dort wird regelrecht Müll angespült, aber dies trübt das Paradies-Feeling nur bedingt.
Zwei Tage lang gehen wir jeweils morgens und nachmittags auf Unterwasser-Erkundungstour, und jedesmal gibt es etwas zu berichten... Schildkröten, eine davon ganz nah, und einmal zwei zur gleichen Zeit... Seeschlangen, Kugelfische, Anemonenfische, Tintenfische, lustige Kreaturen die kopfüber schwimmen.... vor allem am letzten Nachmittag, als mich doch tatsächlich ein aggressiver Riesen-Drückerfisch angreift, verfolgt und in meine Flossen beißen will! Dabei hatte ich schon hunderte dieser Fische gesehen, und immer waren sie friedlich und schwammen schnell weg – nicht so dieser. Er attakiert an diesem Nachmittag noch mehrere andere Schnorchler, und ich will danach nicht mehr ins Wasser zurück – doch wir müssen die Insel sowieso am nächsten Morgen verlassen.

Seeschlange auf Tuchfühlung! Blick auf das Festland glücklich im Schnorchelparadies 

Manado

Wir nutzen den Tag in der Stadt so richtig aus uns besuchen Supermärkte, Shopping Malls und den McDonalds am Meerufer. Tut das gut, mal wieder Burger und Eis zu haben und Süßigkeiten und Getränke einzukaufen! Ein Hoch auf die moderne Welt des Konsums. Unser letzter Tag in Sulawesi geht ganz gemütlich zu Ende (außer dass abends mein PC kaputtgeht....) 

Kuala Lumpur

Das Sulawesi-Abenteuer ist beendet, und ich muss zugeben, ich bin recht froh drum. Und vor allem bin ich froh, wieder in good old Malaysia zu sein, wo alles so einfach, so vielfältig, so konsumfreudig, so luxuriös ist. Dan und ich gehen im Central Market ein und aus, essen Saté am Straßenstand, laufen durch das verrückte Chinatown, essen dreimal pro Tag Eis, und besuchen einen Tag lang den Wasser-, Tier und Vergnügungspark (alles in Einem kombiniert, Wahnsinn, oder?) „Sunway Lagoon“, wo wir einen Riesenspaß haben.
Nach zwei Tagen City-Life geht es für Dan zurück nach England und für mich weiter ins Turtle Project, zum vierten mal, doch diesmal habe ich was Großes vor, und ich habe keine Ahnung was mich erwarten wird.

Ich hoffe, ich finde bei all dem am-PC-Sitzen, das mich in den nächsten Monaten erwartet, noch den Nerv, Blogeinträge zu schreiben. Bis dahin –

Macht‘s gut!     

 

26April
2014

Sulawesi Teil 1 - der Süden

4 Wochen Sulawesi, von Makassar gen Norden nach Manado, alle Must-See΄s erfolgreich abgeklappert inklusive lange Busfahrten, aufregende Bootsfahrten, Dengue-Fieber, Zimmer ohne Ventilatoren, paradiesische Inseln, kaum erreichbarer Dschungel, eintӧniges Essen, Begegnungen mit Wildtieren und Toten, und vielem mehr... und dank der Abwesenheit von Internet und einer kaputten Festplatte habe ich nun die ehrenvolle Aufgabe, dies alles in einem Blogeintrag (bzw. zwei aufeinanderfolgenden) zusammenzufassen.

Ich wusste, dass Sulawesi nicht einfach zu bereisen sein wird, sehr ursprünglich, wenig touristisch, abenteuerlich. Dies war auch ein Grund, wieso Dan und ich uns für dieses Reiseziel entschieden haben. Und rückblickend, wenn der Kopf automatisch all die kleinen Wehwehchen und Problemchen ausblendet, war es wirklich wunderschӧn, doch ich muss zugeben, dass ich als selbsternannter Backpacker-Profi oftmals kurz vor der Verzweiflung stand, und wünschte, vieles wäre doch einfacher und touristischer und schneller und einfacher erreichbar.

Zu Beginn, bevor ich mit der chronologischen Abfolge der Geschehnisse anfange, mӧchte ich ein paar wichtige Beobachtungen auflisten, die zum besseren Verständnis unserer Erlebnisse und dem alltäglichen Wahnsinn in Sulawesi dienen:

  • Sulawesi ist alles andere als flach. Um das zu erkennen, muss man nichtmal aus dem Busfenster schauen, man kann es mit geschlossenen Augen erahnen, wenn eine scharfe Kurve die nächste jagt, in einem ewigen Auf und Ab, man mit 50 km/h durch die Berglandschaft tuckert, und für passable Entfernungen 10 Stunden braucht. Diese ewig langen Transportwege haben mir irgendwann den letzten Nerv geraubt. Vor allem, weil man den ganzen Tag lang in einem Bus oder Auto festsitzt, aufgrund der windigen Straßen nichts anderes tun kann außer aus dem Fenster zu schauen und immer mal wieder einzunicken, um dann abends total gerädert und hungrig im Hotel anzukommen und gleich in einen tiefen Schlaf zu verfallen. Unsere Bootsfahrten waren nicht besser: entweder lange oder bei gefährlichem Wellengang zu aufregend für mein schwaches Gemüt.
  • Aufgrund dieser Tatsache, dass es einfach ewig dauert, gewisse Orte zu erreichen, haben wir im Endeffekt nicht viele verschiedene Orte bereist, und dies spiegelt sich in der fast erschreckend geringen Anzahl meiner Fotos wider. Wenn ich noch einmal entscheiden müsste, würde ich mir für Sulawesi 6 Wochen Zeit nehmen.
  • Fast alle Reisende nehmen entweder die Route von Norden nach Süden (Manado bis Makassar) oder umgekehrt von Süden nach Norden (Makassar bis Manado), sodass es passieren kann, dass man die wenigen Reisenden unterwegs immer wieder antrifft (vor allem wenn man den selben Reiseführer mirt den gleichen Highlights und Hotel-Empfehlungen benutzt). Wir selbst verfolgten und wurden von einem deutschen jungen Pärchen verfolgt, dass wir an fast jedem von uns besuchten Ort wieder antrafen, bis es zuletzt richtig unheimlich wurde.
  • Sulawesi kann definitiv nicht als eine Hochburg für vielfältige ausländische Küche bezeichnet werden. Ich weiß nicht ob wir etwas entschieden falsch gemacht haben, aber das Essen war nach einer gewissen Zeit, wenn auch fast jedesmal sehr angenehm und lecker zubereitet, super eintönig und nervig. Es gibt kaum richtige Restaurants, nur Essensstände oder die „rumah makan“: kleine Buden mit Plastikstühlen, wo eine Mutter eine Vielzahl von fünf Gerichten zubereitet (meist nasi goreng oder Fleischbällchen-Suppe), oder wo bereits zubereitetes Essen in einer Vitrine gelagert wird, und man sein Menü frei zusammenstellen kann (doch auch hier bleibt im Endeffekt die Auswahl zwischen Reis, Fisch, Hühnchen und Wasserspinat). In kleinen oder abgelegenen Orten, wo es noch nichtmal diese „rumah makan“ gibt, bekommt man in der familiengeführten Unterkunft drei Mahlzeiten pro Tag serviert, und zwar Fisch mit Reis (wahlweise verfeinert mit süßer Sojasauce aus der Flasche) und eine begrenzte Auswahl an Grünzeug am Mittag und am Abend.
    Ihr könnt euch vorstellen, wie sehr ich mich nach dem malaysischen Essen gesehnt habe!
  • Sulawesianer sind genauso „verrückt“ nach weißen Touristen wie anderswo auch in Indonesien oder Asien. Und auch hier ist alles, was sie sagen können „Hello Miss, Hello Mister“ und vielleicht noch ein kleines „What’s your name?“ hinterher. So wird man, wenn man durch Dörfer läuft, von diesen Rufen begleitet, von Menschen jeden Alters, und manchmal hört man diese Rufe auf einer leeren Straße und braucht zwei Minuten, um die versteckten Kinderaugen, die aus dem Fensterspalt lugen, zu entdecken. Generell freuen sich die Sulawesianer, Weiße zu sehen, und man muss wie überall oftmals als Fotomodell posieren. In anderen Orten wird man oftmals nur angestarrt, bis man selbst ein schüchternes Lächeln zeigt und ein genauso schüchternes Lächeln als Antwort erhält.
  • In einigen Orten bzw. Unterkünften gibt es einfach keine Ventilatoren, ganz zu schweigen von Klimaanlagen, weil es angeblich "nächtliche kühle Brisen" gibt. Da liegt man schonmal 1 Grad südlich des Äquators im Bett und fragt sich, wo zum Teufel diese Brise sein soll. Dafür gibt es dann natürlich keine Bettdecken, und wir armen Europär, die auch im Hochsommer meist eine dünne Decke gewohnt sind, können uns mit dieser Denkweise erstmal nicht anfreunden.

Nun aber sollte ich anfangen, die Geschehnisse aufzulisten:

Makassar

Dan hat einen langen Flug hinter sich, also bleiben wir den ersten Tag in der Hauptstadt Sulawesis, wo es nicht viel zu sehen gibt und nicht viel Tolles passiert, außer dass Dan die indonesischen städtischen Gerüche wahrnimmt und wir ein bisschen verloren umherlaufen ;-)

Abendessen am Hafen

On our way...

To Tanah Toraja. Wir nehmen einen fast leeren super-komfortablen VIP-Bus. 8 Stunden Fahrt.

Busfahrn macht Spaaaaß

Tanah Toraja

Dies ist der Name einer recht weitläufigen Bergregion mit Dschungel, Reisfeldern und Dörfchen mit hübschen traditionellen Häusern, die für ihre Kultur und vor allem die Totenkultur und die Begräbnisse bekannt ist. Touristen können im Rahmen einer geführten Tour an einer Totenzeremonie teilnehmen, die anscheinend oft genug irgendwo im Umkreis stattfindet, doch Dan und ich können uns mit dem Gedanken nicht anfreunden und verbringen unsere Tage mit Sightseeing und anderem.
Am ersten Tag lassen wir uns für viel Geld nach Batutumonga fahren, ein hübsches Dorf, das auf einer Anhöhe über Rantepao, der Touristenstadt von Tanah Toraja, liegt. Von dort aus laufen wir in das Nachbardorf, um die erste Totenstätte zu besichtigen: ein riesiger Fels mit mehreren in den Stein gehauenen Gräbern. In der Umgebung kann man immer wieder Reisterassen sehen, die sich scheinbar endlos in das Tal schlängeln, und größere und kleinere Felsen mit Gräbern. Wir laufen zurück nach Batutumonga und von dort aus talwärts, wo uns auf dem Weg eine zweite Grabstätte erwartet: hier, umgeben von düsterem Wald, findet sich ein weiterer riesiger Fels mit Gräbern. Manche der Holztüren sind teilweise schon so verrottet, dass sie offenstehen und Leinen heraushängen oder gar Knochen herausfallen. Die Atmosphäre ist ziemlich spuky. Irgendwann nachmittags kommen wir mit schmerzenden Füßen zurück nach Rantepao.

Reisfeld nahe Batutumongaidyllische Aussichtentraditionelle HäuserFelsgräber

Am zweiten Tag mieten wir uns ein Moped, und ab gehts auf die Straßen südlich von Rantepao, um ein paar touristische Must-See’s zu erkunden. Die erste Stätte ist wiedermal ein großer Fels mit Gräbern, dazu ein paar unheimliche Grabwächter-Statuen mit grell-weißen Augen. Die zweite Stätte ist ein kleines Highlight für uns: ich muss mich nicht wiederholen, wieder ein Fels, aber diesmal mit zwei Höhlen. Wir bekommen eine schwere Öllampe und dürfen die Höhlen auf eigene Faust erkunden. Bereits vor der Eingangshalle erwarten uns Knochen, aufgereihte Schädel und Särge. In der Höhle ist eine fantastisch gruselige Atmosphäre: um uns herum völlige Finsternis und Stille, ein paar Höhlentiere, verzweigte, rutschige Gänge und Wege, und ab und zu ein Sarg oder ein Schädel, der von der Lampe erleuchtet wird. Wir sind begeistert! Aber auch ziemlich nervös =) Die dritte Stätte ist vielmehr ein ganzes Dorf mit traditionellen Häusern, und dahinter wiedermal ein Fels. An der Außenwand sind Särge angebracht, die teilweise so verrottet sind, dass eine Vielzahl an Schädeln und Knochen zu sehen sind. Eine Treppe führt hinauf zu einer kleinen Höhle, die wiedermal als Begräbnisstätte dient. Danach fahren wir noch ein bisschen weiter in die Landschaft hinein, bis die Straße so schlecht wird und der Nachmittag so spät, dass wir umkehren.

gruselige Statuen im Höhleneingang auf dem Weg ins Ungewisse Särge Knochen überall traditionelles Haus

Am dritten Tag gönnen wir uns einen River-Rafting-Trip. Wir sind die einzigen Kunden, doch mit zwei Guides sind wir anscheinend genug. Mit dem Auto geht es auf einer abenteuerlichen Straße weit weit ins Bergland hinein, dann steigen wir länger als eine halbe Stunde lang zum Fluss hinab, bekommen drei Sätze als Anweisung und los geht es! Die ersten Stromschnellen bringen mich zum Schreien, denn wir fallen regelrecht mit dem Raft kleine Fälle hinab, und werden vollkommen nass. Wir sind umgeben von steilen Hängen mit wunderschön ursrprünglichem Dschungel, ab und zu passieren wir traumhafte Wasserfälle und sonnenbadende Leguane. Leider viel zu bald wandelt sich der reißende Strom in einen plätschernden Fluss, und die Stromschnellen werden pipifax. Nach nur zwei Stunden auf dem Wasser ist der Trip beendet und wir fahren mit dem Auto zurück.

Stopp beim Wasserfall

On our way...

To Tentena. Dan hat es supergut in Tanah Toraja gefallen, aber ich verspreche ihm, dass wir noch viel schönere Orte sehen werden, für die wir viel Zeit brauchen. Es folgt eine 10-stündige Busfahrt mit einem nicht so komfortablen Bus durch Berglandschaft, Wald und heftigen Regen.

Tentena

Dieses nette kleine Örtchen am Ufer des Poso-Sees wird von den meisten Reisenden nur als Übernachtungsstopp genutzt, doch wir verbrachten zwei schöne Tage dort, uns das ist es allemal wert. Am ersten Tag liefen wir einfach los um die Umgebung zu erkunden und liefen vormittags durch ein Nachbardorf mit vielen neugierigen Bewohnern, hatten danach ein indonesisches „Eis“ (= geschreddertes Eis mit süßer Kondensmilch und Rosenwasser verfeinert) und ein abenteuerliches Mittagessen in einem Restaurant am Seeufer, das wahrscheinlich seit Tagen oder Wochen keinen Besucher mehr gesehen hatte. Danach folgten wir den Weg entlang des Sees, der nicht wirklich am Ufer entlang, sondern durch Gebüsch und Felder führt, und stoppten an einem kleinen Badestrand, der jedoch wenige Minuten später von Einheimischen überströmt wurde, sodass ich mich in meinem Bikini nicht mehr so wohl fühlte ;-)

in Tentena Warten auf das Mittagessen

Am zweiten Tag wollten wir ein toughes Programm durchziehen. Dafür liehen wir uns wieder ein Moped aus, ähm... eher Motorrad, eine richtige Maschine, die ich wahrscheinlich nicht hätte fahren dürfen ;-) Und fuhren auf teilweise unwegsamem Gelände zu einem Wasserfall außerhalb von Tentena. Dieser selbst ist wunderschön, da er eine Aneinanderreihung von mehreren Kaskaden darstellt und von idyllischem Dschungel umgeben ist. Man folgt also einem kleinen Pfad aufwärts, und passiert zunächst die großen Wasserfälle mit badenden und picknickenden Indonesiern, dann später werden die Wasserfälle immer kleiner, und man kann sich auf seinem Weg entlang des Bachs frei für einen Badepool entscheiden. Das Wasser war übrigens saukalt =/ Als der Nachmittag näherte, machten wir uns auf den Weg zurück und fuhren weiter zu einem Badestrand, der voll von einer Horde hysterischer fotowütiger Teenager war, die uns schnell wieder verjagten. Wir fuhren zurück nach Tentena, aßen zu Mittag, und saßen dann bei heftigem Regen fest. Unsere weiteren Programmpunkte fielen also ins Wasser, doch es war sowieso schon recht spät.

Wasserfall auf dem Weg flussaufwärts

On our way...

Wir sitzen mal wieder im Bus, bzw. zuerst in einem Minibus nach Poso, dann in einem Auto nach Ampana. Das dauert mal wieder den ganzen Tag.

Ampana ist jedoch nicht unser Zielort, sondern die Togean-Inseln inmitten der „Sulawesi-Schleife“. Deshalb nehmen wir ein großes Boot, voll mit essenden, schlafenden, trinkenden und rauchenden Indonesiern, für sieben Stunden nach Malenge. Malenge ist eine Insel im nördlichen Teil der Togean-Inselgruppe. Auf dem Weg dorthin passieren wir also die südlichen Teile und werden bei dem Anblick auf das türkise, ruhige Wasser und die dicht begrünten Inselchen auf die nächsten Tage eingestimmt.

auf der Fähre

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